Küchenmaschinen – Lohnt der Kauf?

Ein Ernährungsstudie des Lebensmittelkonzerns Nestlé zeigt: Die meisten Deutschen haben hohe Ansprüche an ihr Essen – aber kommen nach eigener Einschätzung kaum zur Zubereitung. Etwa 35 Prozent aller Befragten würden gerne mehr Zeit in gesundes Kochen investieren. Vermutlich handelt es sich dabei um jene Gruppe, die sich für eine Küchenmaschine mit Kochfunktion interessiert. Um die Universaltalente ist ein wahrer Hype entbrannt. Worauf sollte beim Kauf geachtet werden?

Fans schwören auf den Thermomix
Anscheinend hat auch Hersteller Vorwerk nicht damit gerechnet, dass die Markteinführung des “Thermomix” eine solche Hysterie unter Hobbyköchen auslösen wurde: Nachfrage und Begeisterung erinnern an das iPhone; wer die stattliche Kaufsumme von etwa 1.100 Euro aufbringt, muss sich auf einige Wochen Wartezeit gefasst machen. Der Thermomix leistet für das tägliche Kochen in etwa das, was Brotbackautomaten für das Backen tun: Aus den Zutaten wird ein köstliche Suppe püriert und gleichzeitig erhitzt oder ein Eintopf zubereitet. Auch das Hacken von Kräutern oder das Puddingkochen ist mit dem Multitalent schnell machbar. Der Praxistest zeigt allerdings auch schnell die Grenzen des Konzepts auf. Nicht selten muss die eingesparte Zeit nämlich zur Reinigung des Gerätes investiert werden.

Vom Koch zum Gehilfen
Stiftung Warentest hat dabei einige Vertreter der Kategorie “Küchenmaschine mit Kochfunktion” unter die Lupe genommen. Zu den Besonderheiten der Geräte zählt das sogenannte “geführte Kochen”: Das Küchengerät hat die Rezepte auf einem Chip gespeichert. Dabei wird die Zubereitung automatisch übernommen; die Maschine zeigt immer nur an, wenn wieder neue Zutaten in einer bestimmten Menge zugeführt werden müssen – der Koch wird damit zur Hilfskraft der Maschine degradiert, was vor allem Neulingen entgegenkommen dürfte. Auf diese Weise gelingen auch Gerichte mit unterschiedlichen Garzeiten. Hier zeigen sich auch schon die Unterschiede: Hochpreisige Geräte haben eine integrierte Waage, bei den preiswerten Pendants muss vorher manuell durch eine Küchenwaage abgewogen werden. Auch beim Kneten von Hefeteig beweist der Test, dass die Investition in Markengeräte durchaus lohnt. Der Teig ging in den günstigeren Küchenmaschinen schlecht auf, was möglicherweise an einer falsch regulierten Temperatur lag. Auch beim Zerkleinern bestehen Unterschiede: Bessere Geräte können das Gemüse für eine Minestrone automatisch kleinschneiden. Bei günstigen Maschinen muss der Koch hingegen selbst Hand anlegen, damit der italienische Gemüseeintopf auch gelingt. Das Küchengerät erledigt dabei im Wesentlichen nur das Umrühren und Erhitzen. Ein pauschaler Zusammenhang zwischen Kosten und Qualität kann aber auch bei den Küchenmaschinen nicht hergestellt werden, wie dieser Küchenmaschinen Vergleichstest zeigt. Auch der Thermomix ist nicht ohne Fehl und Tadel, er war das lauteste Gerät im Test.

Fettfrei garen
Ein weiteres beliebtes Gerät, welches durch die Zerkleinerer mit Kochfunktion ersetzt werden soll, ist der Dampfgarer: Idealerweise kann Lachsfilet mit Brokkoli-Beilage so durch die Küchenmaschine zubereitet werden, dass der Fisch durchgegart und der Brokkoli noch bissfest ist. In der Praxis zeigen sich allerdings auch hier noch Schwächen bei einigen Modellen: Die gespeicherten Rezepte gehen mutmaßlich von einer mittleren Portionsgröße aus. Wird diese über- oder unterschritten, ist das Gemüse schon weich oder der Lachs noch roh.

Fazit: Kaufempfehlung eine Frage der Ansprüche
So ganz perfekt sind die Küchenmaschinen mit Kochfunktion nicht – einige Rezepte sind dafür offenkundig noch zu komplex. Wer sich für ein solches Gerät interessiert, sollte sich zunächst zwei Fragen beantworten: Sind Einzelgeräte wie Zerkleinerer, Pürierstab und Dampfgarer in der Küche schon vorhanden? Dann lohnen die preiswerten Vertreter dieser Gerätekategorie kaum. Soll künftig regelmäßig mit der Küchenmaschine gekocht werden? In diesem Fall könnte die Summe in ein etwas kostspieligeres Markengerät gut investiert sein. Vor allem für den Branchenprimus Thermomix gibt es online bereits eine Reihe von Rezepten, die erprobt und speziell auf den Marktführer abgestimmt sind. In diesem Fall ist es tatsächlich möglich, frisch und gesund zu kochen, ohne viel Zeit aufwenden zu müssen.