Wenn die Deutschen essen gehen – was ist erlaubt, was nicht?

Sie wollen mal wieder gut essen gehen, statt nur am Imbiss ums Eck schnelle Gerichte im Stehen zu verzehren? Die Essgewohnheiten können von Bundesland zu Bundesland nicht unterschiedlicher sein. Auch ein Stadt-Land-Gefälle ist deutlich erkennbar. Während Landbewohner bevorzugt zu Hause kochen, lassen sich Städter zu jeder Tageszeit gern bewirten. Lieferdienste und Restaurants boomen – und gehen genauso schnell wieder ein, wenn Qualität und Preise nicht stimmen.

Menschen, die oft und gern essen gehen, legen sehr viel Wert auf Freundlichkeit und Service. Diese Punkte sind ebenso wichtig wie die Qualität der Speisen oder die allgemeine Hygiene. Einen guten Ruf kann ein Lokal wie eine Fahne vor sich her schwenken, ein schlechter Ruf klebt jedoch wie Pech. Es gibt diese Tage, an denen alles schiefgeht. Dann kommt es darauf an, als Gastwirt eloquent und keineswegs emotional auf Kritik zu reagieren und selbst schlechte Bewertungen im Netz sachlich und mit einer Portion Witz zu beantworten. Doch was dürfen Kunden und Gäste erwarten, wann dürfen sie mosern und vor allem, was muss sich ein Restaurant gefallen lassen? Eine ganze Menge, wenn die Mängel berechtigt sind.

Mythen und Legenden rund ums essen gehen

Müssen Gäste auch bezahlen, wenn das Gericht missglückt ist? Darf man einen Nachschlag verlangen, wenn das Essen vorzüglich schmeckt? Wie hoch sollte das Trinkgeld ausfallen und kann man dieses auch dem Koch direkt geben, wenn der Kellner nicht aufmerksam genug ist? Und was, wenn ein Gast seine Geldbörse vergessen hat und sich auch nicht ausweisen kann? Darf man ein Lokalverbot ignorieren, wenn es unberechtigt erscheint?

Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund ums Essen gehen.

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Einige Legenden halten sich hartnäckig. Wer nicht zahlen kann oder will, darf seine Rechnung nicht mit Abspülen abarbeiten. Gelegentlich gibt es amüsante PR-Aktionen zu diesem Thema, auch öffentliche Essensverteilung mit anschließendem Töpfeschrubben in Fußgängerzonen als künstlerische Performance gehört dazu. Doch leider können sich zahlungsunfähige oder zahlungsunwillige Gäste nicht mit einem freiwilligen Abwasch aus der Affäre ziehen, sondern handeln sich eine Anzeige wegen Erschleichen von Leistungen ein, oftmals kombiniert mit einem Lokalverbot. Doch wie sieht es bei getrennter Bezahlung in größerer Runde aus? Muss der letzte Gast die gesamte Restsumme zahlen, wenn die übrige Gesellschaft längst verschwunden ist? Wer gepflegt und rechtssicher essen gehen möchte, muss sich an Spielregeln halten. Nicht in jedem Fall ist der Gast auch König.

6 ungeschriebene Spielregeln im Restaurant

Wer essen gehen möchte, hat abhängig von Preis, Angebot und eigenem Budget eine bestimmte Erwartungshaltung gegenüber dem ausgewählten Lokal. Wenn das Essen oder der Service nicht zufriedenstellend ausfallen, bleiben dem Gast zahlreiche Möglichkeiten, seinem Ärger Luft zu machen. Erster Ansprechpartner ist in der Regel der Kellner. Bei schwerwiegenderen Problemen, wird der Geschäftsführer hinzu geholt. Auch wenn ein Kunde im Recht ist, muss sich ein Gastwirt nicht alles gefallen lassen und gelegentlich ist das Recht auf seiner Seite.

Fotografieren im Restaurant:
Seit es die sozialen Medien gibt, muss jeder Essenskrümel fotografiert werden – sei es das selbstgekochte Mahl oder jeder einzelne Gang im Restaurant. Menschen fotografieren ihr Essen – das ist eben so. So lange keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden (fremden Personen am Nachbartisch) ist das Fotografieren nicht verboten. Allerdings verbieten einige gehobene Designer-Gourmet Lokale aus Wettbewerbsgründen das Ablichten ihrer Gerichte. Wenn Sie besonders schick essen gehen möchten, schauen Sie nach einem Hinweisschild, das Fotos untersagt. Manchmal hilft es auch, die Speisekarte gründlich zu lesen oder Sie fragen vorher einfach den Kellner.

 

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Reservierung kurzfristig canceln:
Sie haben es sich anders überlegt und möchten doch nicht essen gehen, sondern zu Hause bleiben? Kommt vor. Eine Tischreservierung stellt eine vertragliche Vereinbarung dar, die rechtzeitig abgesagt werden muss. Gar nicht erscheinen ist nicht feine Art. Wenn es sich nur um einen Tisch für zwei Personen ohne vorherige Essensbestellung handelt, wird kein Wirt Regress fordern. Aber Sie sollten sich vielleicht ein anderes Lokal suchen, wenn Ihnen das öfter passiert und Sie nur gelegentlich auswärts essen gehen. Vermittelt der Inhaber eines gehobenen Restaurants glaubhaft, dass er durch eine Stornierung Mehraufwendungen hatte und Umsatzeinbußen erlitten hat, so kann er den Verdienstausfall einklagen.

Trotz Reservierung Tisch besetzt:
Die Gäste treffen pünktlich im Restaurant ein, doch der reservierte Tisch (oder Raum) ist belegt. Trotz Wartezeit sind keine freien Sitzplätze in Sicht. Das Essen gehen hat sich dann wohl erledigt? In diesem Fall ist das Recht eindeutig auf der Seite des Gastes. Dieser kann vom Wirt die Mehrkosten für einen Lokalwechsel (z.B. die Taxikosten) oder Schadenersatz verlangen, was bei einer größeren Gesellschaft nicht unerheblich sein kann. Auf jeden Fall sollte das Restaurant zeitnah reagieren und sich bestenfalls selbst um Ersatz kümmern. Bei nachweislichem Versehen seitens der Gastwirtschaft, lohnt sich ein Vergleich oder ein Gutschein für eine Gratis-Bewirtung, um negative Propaganda und gerichtlichen Ärger zu vermeiden.

Appetit ist größer als das Gericht:
Es hat super geschmeckt und Sie sind eigentlich noch gar nicht satt. Bestimmt schmeichelt es dem Koch, wenn Sie um einen Nachschlag bitten. Nein, das tut es nicht. Was beim Familien-Essen Tradition hat, ist in einem Speisenlokal nicht vorgesehen. Dennoch zeigen sich viele Restaurants kulant und servieren Sättigungsbeilagen wie Brot, Kartoffeln oder Reis nach. Soßenliebhaber können von vornherein um ein extra Kännchen Soße bitten. Anspruch auf Nachschlag gibt es jedoch nicht und es wird auch kein zweites halbes Hauptgericht aufgefahren. Sie haben natürlich die Möglichkeit erneut zu bestellen.

Das Essen schmeckt nicht:
Das bestellte Essen wird serviert, es sieht appetitlich aus, doch es schmeckt nicht. Die Geschmäcker sind verschieden, also reicht allein dieser Umstand nicht aus, um ein Ersatz-Gericht kommen zu lassen. Liegen allerdings gravierende Fehler vor, dann darf ein Gast auf Nachbesserung pochen oder sich gar Ersatz kommen lassen. Gravierende Mängel sind zum Beispiel versalzenes oder angebranntes Essen, totgebratener Fisch oder die sprichwörtliche zähe Schuhsohle als Steak. Das Haar oder die Fliege in der Suppe sind Klassiker, bei denen jedes gute Restaurant sofort einen Austausch des Gerichts vornehmen wird.

Der Letzte zahlt die Rechnung:
Sie wollen mit Freunden essen gehen. Der Abend war toll, es wurde gespeist, getrunken und gelacht. Nach dem sich die Gruppe aufgelöst und jeder seinen Anteil bezahlt hat, stellen Sie fest, dass noch diverse Gerichte und Getränke auf der Rechnung stehen, die sie gar nicht verzehrt haben. Schöne Freunde! Bleiben Sie jetzt auf der Rechnung sitzen und müssen alles bezahlen? Nein. Auch wenn Sie die Runde als letzter Gast verlassen, müssen Sie nur Ihren Teil der Rechnung begleichen, es sei denn, es wurde im Vorfeld anders vereinbart. Das Risiko trägt in diesem Fall das Restaurant. Ist keine Einigung in Sicht, hilft es nur, die Polizei als Schlichter zu rufen.

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