Deutsche Küchengeräte-Hersteller als Brexit Profiteure?

Die Auswirkungen des Brexit zeigen sich bereits jetzt in der Gastronomie. So beklagen sich viele Londoner Gastwirte über ausbleibende Gäste, und das auch in Lokalen, die bislang mit großem Andrang beschäftigt waren.

Londoner Restaurants warten

Dass die Stornierungen die Reservierungen nun deutlich übertreffen, passt ins Gesamtbild. Auf der anderen Seite könnte die deutsche Gastronomie von dieser Entwicklung profitieren. Vor allem in Frankfurt: Die Main-Metropole wird bereits als kommender führender Finanzplatz Europas gehandelt. Als Konsequenz würde das Gaststättengewerbe besonders stark profitieren.

Und das in einer Zeit, in der die Betreiber ohnehin für ihre Investitionsfreude bekannt sind. Denn schon vor dem Brexit zeigten sich die Verantwortlichen durchweg optimistisch und stellten ihre Betriebe auf weiteres Wachstum ein. Restaurantführer wie die 2017er Edition von FRANKFURT GEHT AUS! unterstrichen mit ihrer großen Auflage den Stellenwert der Gastronomie in „Mainhattan“. Steigende Absätze bei den Händlern für Küchentechnik waren die Regel, in Zukunft könnte die Stärkung des Standorts Deutschland eine noch größere Auswahl bei der Hardware, also etwa Kühlgeräten, zur Folge haben.

Risiken im Auge behalten

Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht. Bereits vor dem Volksreferendum warnten kritische Stimmen, dass der Brexit fatal und risikoreich für das Gewerbe sein könnte, und zwar nicht nur in Großbritannien, sondern in der gesamten EU. Denn eine der größten Stärken der Europäischen Union war der grenzenlose Tourismus, der speziell zwischen führenden Ländern wie England und Deutschland glänzende Zahlen auflegte. Mit diesen könnte es bald allerdings vorbei sein – die Folgeschäden wären auch auf dem europäischen Festland spürbar.

In der Londoner Gastronomie kommt noch eine weitere Befürchtung hinzu. Bekanntlich saß das Geld bei den Stammkunden in der City, vornehmlich Investmentbankern, immer recht locker. Durch die schweren Konsequenzen des Brexit könnte nun jedoch ein verschärftes Controlling eintreten, was sich direkt auf die Spesenkonten auswirkt. Kleinere Budgets für die Mittagspause oder für wichtige Geschäftsessen würden in der Summe ein großes Minus für die ansässigen Lokale bedeuten.

Erst jetzt scheint also klar zu werden, wie weitreichend die Brexit-Folgen sind. Darüber hinaus erkennen Gastronomen nun, wie eng ihre Existenz mit dem Erfolg des Finanzstandorts London verknüpft war. Denn in anderen Stadtteilen sieht die Gastronomie schon seit langer Zeit nicht mehr rosig aus. Große Subventionen, teils mitfinanziert durch die Erträge im Finanzviertel, halfen vielen Lokalen dabei, über Wasser zu bleiben. Der Brexit könnte nun eine negative Kettenreaktion auslösen, deren Schäden am Tag der Abstimmung wohl nur von die Wenigsten erkannt hatten.